In Gummistiefeln zwischen Schmetterlingen und Räuber-Saug-Maschinen

Moers. (pst) „Schmetterlinge“ steht in bunten Buchstaben an der Tür. Schon auf dem Flur hört man heiteres Toben und Spielen. Beim Betreten des Raumes schauen zahlreiche Kinderaugen, wer da kommt. Dazwischen sind drei Erzieherinnen zu entdecken. Eine von ihnen ist Saskia Kussel. Die 21-Jährige macht in der Kindertagesstätte Walter-Karentz-Straße in Kapellen – genauer gesagt in der Schmetterlings-Gruppe – ihre praxisintegrierte Ausbildung zur Erzieherin (PiA-Ausbildung) – eine Mischung aus Schule und Arbeit in der Kita.

Bei Wind und Wetter draußen spielen

Das erste Ausbildungsjahr verbrachte Saskia Kussel vor allem am Neukirchener Berufskolleg. Aber auch in dieser Phase waren schon zwei Praktika integriert. Später sind die Auszubildenden tageweise in der Schule und tageweise in der Einrichtung. Saskia Kussel ist ein wichtiger Teil des Kollegiums in der Kita geworden und hat einen intensiven Bezug zu den Kindern aufgebaut. „Ich gestalte den Morgen- und Abschlusskreis, bin beim Frühstücken, Spielen und Turnen dabei“, schildert sie ihre Aufgaben. Am liebsten verbringt sie die Zeit mit den Kindern draußen: „Wir sind bei Wind und Wetter an der frischen Luft. Selbst als es im Lockdown vier Tage am Stück geregnet hat, haben wir uns vor die Tür gewagt.“ Im Flur stehen noch die Gummistiefel in Zwergengröße und blaue, grüne, gelbe Regenhosen hängen an der Garderobe.

Rollenspiele in der Schule

Wenn sie gerade nicht zwischen Bauklötzen, Puppen und Malstiften zu finden ist, drückt Saskia Kussel die Schulbank. Dort übt sie unter anderem in Rollenspielen mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern beispielsweise Elterngespräche und den Umgang mit Krisensituationen. „Der Job als Erzieherin ist nicht immer nur die Arbeit mit den Kids“, weiß Saskia Kussel inzwischen aus eigener Erfahrung. „Man muss sich auch in die Eltern hineinversetzen können.“ ‚Klassische Fächer‘ wie Deutsch, Naturwissenschaften, Politik und Englisch stehen ebenfalls auf dem Stundenplan, dazu kommen spezifischere Fächer wie Medienpädagogik.

Yoga in der Kita

Die Schule gibt ihr auch Aufgaben für die Zeit in der Kita. Im vergangenen Jahr hat sie beispielsweise Kinderyoga für die Mädchen und Jungen aus der Schmetterlings-Gruppe vorbereitet. „Vorher habe ich die Kinder analysiert und beobachtet“, erzählt sie. „Wichtig war dafür, wie gut sich ein Kind entspannen kann oder wie weit die motorische Entwicklung schon ist – zum Beispiel, ob das Kind schon auf einem Bein stehen kann.“ Derzeit plant die angehende Erzieherin eine Projektarbeit. Ihre Idee: ein Handwerker-Führerschein für die Kleinsten. Dabei möchte sie den Kindern den Umgang mit Werkzeug näherbringen und am Ende auch etwas bauen.

Abtauchen in Phantasie-Welten

Ansprechpartner in der Einrichtung ist für Saskia ihre Praxisanleitung. Das sind in ihrem Fall Kita-Leiterin Sabine Knothe und die Gruppenleitung der Schmetterlinge Irina Pierlo. Sabine Knothe weiß das Konzept der PiA-Ausbildung sehr zu schätzen. Bei der weit verbreiteten schulischen Ausbildung in Vollzeit sammeln die angehenden Erzieherinnen und Erzieher nur im letzten Jahr der Ausbildungszeit praktische Erfahrungen. „Saskia ist ein richtiger Teil des Teams geworden. Man merkt einfach, dass sie die Kinder viel besser einschätzen kann und eine engere Bindung zu ihnen aufgebaut hat“, sagt Sabine Knothe. Ein weiterer Vorteil ist das Gehalt: Wer die überwiegend schulische Ausbildung wählt, verdient nur im letzten Jahr. Saskia Kussel und die anderen sechs PiA-Azubis hingegen bekommen schon jetzt ihr Gehalt. Viel mehr wert als das Geld sind ihr aber die Momente mit den Kids. „Das Schönste ist, wenn man mit den Kindern in ihre Phantasie-Welten abtaucht. Zum Beispiel hat letztens ein Junge eine Räuber-Saug-Maschine gebastelt. Ich habe mit ihm zusammen dann die Räuber aufgesaugt“, erzählt sie und lacht.

Infobox: Die Ausschreibungen für den Ausbildungsbeginn 2022 werden ab Samstag, 21. August 2021, auf ausbildung.moers.de veröffentlicht.

(Quelle . Pressemitteilung Stadt Moers)